Auf der Suche nach den Wasserfällen

Auf der Suche nach den Wasserfällen

Kategorie Reiseberichte Datum 31.08.2026 Autor GABI

Manchmal liegt ein Erlebnis schon eine Weile zurück, bevor man die richtigen Worte dafür findet. So geht es mir mit den Tagen zwischen San Ignacio Mini, Puerto Rico und Eldorado. Eigentlich wollte ich euch längst davon erzählen – von einem Wasserfall, den ich gesehen habe, von Regen ohne Ende, von meinem Roman und von einer Wanderung, die ganz anders endete, als ich sie geplant hatte.


Aber genau das ist ja das Reisen: Man plant eine kleine Tour zu einem Wasserfall – und landet stattdessen zehn Kilometer später, völlig durchnässt, erschöpft und glücklich wieder bei Möhre.


Von San Ignacio Mini weiter nach Norden

Nach meinem Aufenthalt in San Ignacio Mini ging es für mich weiter Richtung Puerto Rico. Dort habe ich einen Wasserfall besucht, bin ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe diese besondere, tropische Stimmung von Misiones auf mich wirken lassen. Überall dieses satte Grün, die rote Erde, die feuchte Wärme – und immer wieder das Geräusch von Wasser, Vögeln und dem Leben im Wald.


Danach führte mein Weg nach Eldorado, genauer gesagt zum Vivero Municipal de Eldorado. Ich brauchte dringend einen Platz mit Strom. Nicht nur für den Kühlschrank und den ganz normalen Alltag in Möhre, sondern vor allem zum Arbeiten.


Denn die Wettervorhersage war eindeutig: Für die kommenden vierzehn Tage waren Regen, Gewitter und teilweise heftige Unwetter angekündigt. Bei solchen Aussichten fährt man besser nicht einfach weiter und hofft, dass es schon irgendwie gutgeht. Also habe ich es mir auf dem Campingplatz gemütlich gemacht, den Regen gegen das Dach prasseln lassen und die Zeit genutzt.


Regenzeit ist Arbeitszeit

Wer länger unterwegs ist, kennt das: Reisen bedeutet nicht nur weiterfahren, staunen und schöne Fotos machen. Man muss auch arbeiten. Man muss ja schließlich von irgendetwas leben. 😊


Also saß ich in Möhre, während draußen der Regen fiel, und habe geschrieben, organisiert und gearbeitet. Besonders wertvoll waren diese Tage für meinen Roman. Wenn draußen alles grau, nass und laut ist, entsteht manchmal eine ganz eigene Ruhe. Keine Ablenkung durch neue Orte, keine Hektik, kein „Ich müsste eigentlich noch schnell dahin“. Nur ich, mein Laptop, meine Gedanken und die Geschichte, die langsam weiterwächst.


Und manchmal ist genau das der Luxus einer langen Reise: nicht immer weiterzumüssen.


Eldorado – eine Stadt zwischen roter Erde und Paraná


Eldorado liegt im Norden der argentinischen Provinz Misiones, nicht weit vom Río Paraná entfernt. Die Gegend war schon lange vor der europäischen Besiedlung von indigenen Gemeinschaften bewohnt; archäologische Funde in Misiones weisen auf eine sehr frühe menschliche Geschichte hin. Später prägten vor allem die Guaraní die Region mit ihrer Kultur, Landwirtschaft und Sprache.


Die Stadt Eldorado selbst ist noch relativ jung. Sie wurde 1919 von Adolfo Julio Schwelm gegründet und entwickelte sich durch Landwirtschaft, Holzverarbeitung sowie den Anbau von Yerba Mate, Orangen und Grapefruits. Viele Einwandererfamilien kamen damals in diese Region, um sich hier ein neues Leben aufzubauen.


Heute wirkt Eldorado für mich wie ein Ort zwischen Stadt und Urwald. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt sein wollend – sondern grün, lebendig, manchmal etwas wild und immer nah an der Natur. Genau deshalb hatte ich Lust, die Umgebung zu erkunden. Auf der Karte waren mehrere Wasserfälle eingezeichnet. Das klang nach einem perfekten kleinen Ausflug.

Dachte ich zumindest.


Die Suche nach den Wasserfällen

Als das Wetter endlich besser wurde, machte ich mich auf den Weg. Ich wollte zu den Wasserfällen, die auf meiner Karte eingezeichnet waren. Eigentlich sah alles ganz einfach aus: ein Weg hinein in den Wald, dann irgendwo abbiegen, noch ein Stück laufen – und irgendwann müsste das Wasser zu hören sein.


Aber Karten und Wirklichkeit haben in Südamerika manchmal ein sehr kreatives Verhältnis zueinander.


Der Weg führte jedenfalls nicht dorthin, wo er laut Karte hätte hinführen sollen. Ich lief weiter. Durch den Wald. Über kleine Flüsse. Durch sumpfige Stellen. Auf Wegen, die irgendwann kaum noch Wege waren. Immer wieder dachte ich: „Jetzt müsste es doch gleich kommen.“ Doch der Wasserfall kam nicht.


Stattdessen kamen Matsch, nasse Schuhe und dieser Moment, in dem man kurz überlegt, ob man lieber umdrehen sollte.

Aber umdrehen war irgendwann auch keine wirklich schöne Option mehr. Also ging ich weiter. Insgesamt ungefähr zehn Kilometer durch Wald, Wasser und Sumpfgebiet, bis ich endlich wieder auf eine Straße stieß.


Und dann, irgendwann, sah ich Möhre.


Ich kann euch sagen: Ich war fix und fertig. Aber auch erleichtert. Und irgendwie stolz. Denn manchmal findet man zwar nicht das, was man gesucht hat – aber erlebt dafür etwas, das viel länger in Erinnerung bleibt.


Ein zweiter Versuch – und ein ungutes Gefühl

Ein paar Tage später wollte ich den Wasserfällen noch einmal eine Chance geben. Vielleicht, dachte ich, gibt es ja von der anderen Seite einen besseren Weg. Ich fuhr los, suchte einen anderen Zugang und hoffte, diesmal näher heranzukommen.


Doch wieder stand ich irgendwann vor einem Fluss. Wieder gab es keinen eindeutigen, begehbaren Weg. Und diesmal hatte ich zusätzlich ein komisches Gefühl. Die Gegend wirkte abgelegen, die Wege waren kaum nachvollziehbar – und ich hatte den Eindruck, möglicherweise auf einer Schmugglerroute gelandet zu sein.


Ob das wirklich so war, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wenn der Bauch sagt, dass es besser ist umzukehren, dann sollte man auf ihn hören. Gerade allein unterwegs.


Die Wasserfälle gibt es bestimmt. In und um Eldorado liegen mehrere kleinere Naturgebiete und Wasserfälle, manche gut zugänglich, andere offenbar deutlich versteckter. Der Salto Küppers beispielsweise gehört zu einem städtischen Schutzgebiet nahe Eldorado; dort gibt es mehrere kleinere Kaskaden am Bachlauf, ganz in der Nähe des Paraná.  Auch der Salto Elena wird als Wasserfall im Gebiet von Eldorado genannt.


Meine gesuchten Wasserfälle habe ich trotzdem nicht gefunden.


Aber ich habe Regenwald erlebt. Ich habe gelernt, dass eine eingezeichnete Route noch lange kein begehbarer Weg ist. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich auch nach zehn Kilometern Matsch noch lachen kann. Und ich habe wieder einmal gemerkt: Nicht jeder Umweg ist ein Fehler.


Weiter Richtung neues Wiedersehen

Irgendwann hieß es dann auch für mich: weiterziehen. Meine Freundin wollte mich besuchen, und ich musste Richtung San Ignacio weiterfahren.


Mit etwas Wehmut ließ ich Eldorado hinter mir. Keine Wasserfälle auf meinen Fotos, keine perfekte Wanderroute, keine spektakuläre Belohnung am Ende eines ausgeschilderten Weges.


Dafür Erinnerungen an prasselnden Regen auf dem Dach von Möhre, an lange Schreibstunden, an tiefgrünen Wald, rote Erde an den Schuhen und an dieses wunderbare Gefühl, endlich wieder am Wohnmobil anzukommen.


Und dann wartete schon das nächste Abenteuer auf mich: Besuch von einer Freundin, gemeinsame Erlebnisse und neue Geschichten, die ich euch bald erzählen werde.


Bleibt neugierig – ich bin es auch.

Eure Gabi

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Aktueller Standort der Freiheitsliebe-Reise – unterwegs mit dem LKW Möhre auf großer EntdeckungstourIrgendwo zwischen Traum und Abenteuer, auf den Straßen der Freiheit. Mit meinem treuen LKW entdecke ich atemberaubende Landschaften, begegne spannenden Menschen und lasse mich von neuen Kulturen inspirieren. Die Welt ist groß, und jede Reise birgt unzählige Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.

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